Hilfe! „Corona ist blöd!“

Corona und unsere Kinder. Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer der Coronapandemie. Ihre Situation ist dramatisch, darüber dürfen auch die nun endlich wieder geöffneten Schulen nicht hinwegtäuschen.

War vor etwa einem Jahr der erste Lockdown für viele zunächst eine willkommene Ferienverlängerung, dürften sich die meisten Mädchen und Jungs zwischen 6 und 18 Jahren bis vor Kurzem nach einer Rückkehr an ihre Schule regelrecht gesehnt haben. Denn Schule ist mehr als „nur“ Bildung. Schule bietet soziale Kontakte und Tagesstruktur. Ohne Schule vereinsamen Kinder. Das Homeschooling und die damit verbundene eigene Arbeitsorganisation haben viele überfordert. Die Mehrfachbelastung aus Arbeit, Erziehung, Homeschooling und Freizeitgestaltung hat auch Eltern an deren Grenzen geführt. Kinder- und Jugendärzte berichteten von einer Zunahme von psychischen Problemen. Und wahrscheinlich waren zahlreiche Kinder auch verstärkt häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Soziale Kontakte

Eines vorweg: Kinder und Jugendliche erleiden im Falle einer COVID-19-Erkrankung die geringsten physischen gesundheitlichen Schäden. Im Gegensatz zu den bekannten Risikogruppen und der älteren Bevölkerung sind sie auf den ersten Blick weniger stark vom Corona­virus betroffen. Auch, wenn sich das anfangs beruhigend positiv anhört – laut einer Studie leidet mittlerweile fast jedes Kind an psychischen Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste haben zugenommen und auch depressive Symptome sind vermehrt zu beobachten. Die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben sich im Verlauf der Coronapandemie weiter verschlechtert. Insbesondere Kinder aus sozial schwächeren Familien sind von den Auswirkungen von Lockdown, Homeschooling und Co betroffen.

Homeschooling beeinflusst das Sozialleben

Zum Glück sind nun die Schulen endlich wieder zur Gänze geöffnet, denn man hätte die Kinder nicht noch länger zu Hause lassen dürfen. Laut diversen Experten wären sonst sowohl der Kinderschutz als auch das Kindeswohl erheblich in Gefahr gewesen. Eine Grundschullehrerin erklärt, dass sie in ihrer Klasse zunehmend die negativen Folgen des Distanzunterrichts wie Konzentrationsschwächen und auch rapide sinkende soziale Kompetenzen beobachten konnte. Durch den ausgebliebenen persönlichen Kontakt haben die Kinder zudem Eigenschaften wie Teilen oder Hilfsbereitschaft anscheinend verlernt. Gewisse gesellschaftliche Werte gehen verloren – Distanzunterricht geht also allen an die Substanz, Klein wie Groß.

Sport und Freizeitgestaltung

Aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben viele Kinder deutlich weniger Sport betrieben und stattdessen mehr Zeit vor digitalen Medien verbracht. Ein Suchtforscher fand heraus, dass Kinder und Jugendliche im Schnitt um 75 Prozent mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen als in Vor-Corona-Zeiten. Fünfeinhalb Stunden täglich unter der Woche, am Wochenende sogar mehr als sieben Stunden. Das Pikante an dieser Feststellung ist, dass der digitale Unterricht hier noch gar nicht miteingerechnet wurde.
Ebenso wirkt sich laut Ernährungsmedizinern die mangelnde Bewegung auf die Gesundheit der Kinder aus, weshalb das Risiko für Folgeerkrankungen dadurch natürlich ansteigt. Dabei ist die aktuelle Gesundheitsversorgung ohnehin schon angespannt. Beobachtet wurde, dass Kinder mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma, Epilepsie oder Herzproblemen in der Krise ärztlich weniger intensiv begleitet wurden. Die Krankenlast nimmt dabei stetig zu.

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