Unerwünschte Nebenwirkung: Mord (Teil 9)

Fortsetzungsroman Folge 9 – von Manfred Baumann

Was bisher geschah … Mord in der 4700-Seelen-Gemeinde Oberkrautbach. Camilla Kuffer wurde erschlagen. Chefinspektor Theodor Raps und Assistent Anton Geigl, zugleich Neffe der Ermordeten, stießen auf viele Verdächtige. Immer wieder führten die Spuren zur Dorfapotheke. Zudem beschlich Raps das Gefühl, er habe etwas Wichtiges übersehen. Zuletzt tauchten wieder einmal die Schwestern Emmi und Hanni Platzmaier in der Apotheke auf …

Kalkweiß im Gesicht glotzten die beiden den Chefinspektor an. „Äh, wie meinen Sie das?“
„Ich habe Hinweise, dass bei der Osterbazar-Abrechnung des Frauenclubs eine beachtliche Summe gefehlt hat. Sie, Hanni, sind Kassiererin des Clubs. Und die Ermordete war die Vizeobfrau.“ Und Emmi war als Erste am Tatort, wollte er eben hinzufügen, da quiekte Hanni wie ein zorniges Ferkel, dem man den Futtertrog weggezogen hatte.
„Sauuuuereiii! Das ist pure Verleumdung!“
„Den Hinweis haben wir von Rita Argbauer erhalten“, konterte Raps. „Und die ist nicht nur die Verlobte meines Assistenten, sondern auch die Tochter des Bürgermeisters. Sie hat ihre Quellen.“
Hanni fuchtelte wild mit der Hand. „Ahhh, da steckt sicher die doofe Wally dahinter. Die war uns schon beim Weihnachtsbazar neidisch.“ Ihre Hand begann fahrig in der großen Umhängetasche zu wühlen. „Die wollte auch nicht, dass wir unsere schöne …“ Ihre Schwester fasste sie am Arm. „Komm, Hanni. Wenn unser makelloser Ruf derart beschmutzt wird, dann haben wir hier nichts mehr verloren.“ Und schon zischten die beiden hinaus.
Der Chefinspektor griff sich an den Bauch. Etwas knurrte in der Magengegend. Wie ein grimmiger Präriewolf. Er sollte schon längst auf Mallorca sein und sich in der Sonne räkeln. Aber nein, der Polizeichef hatte ihn dazu verdonnert, diesen aberwitzigen Mordfall aufzuklären. An einem chaotischen Ort, in dem es offenbar von Verrückten nur so wimmelte. „Ich weiß genug über jeden von euch!“, hatte Camilla Kuffer gekläfft. Wenige Stunden später hatte man ihr den Schädel eingeschlagen.
Raps starrte zur Tür, durch die soeben die schrulligen Schwestern verschwunden waren. Waren es diese beiden gewesen? Weil Camilla Kuffer etwas über deren aufklärungswürdige Abrechnungsmethoden in der Hand hatte? Der Präriewolf brummte heftiger und Raps wirbelte herum. Oder war es doch die Apothekenchefin gewesen? Lea Salvaner, seine Hauptverdächtige von Anfang an. Immerhin hatte die Ermordete einen verdächtigen Namen zu den fragwürdigen Praktiken der bevorstehenden Apothekenübergabe vermerkt. Der Präriewolf in ihm nörgelte brummiger, denn da waren ja auch noch die vielen anderen: der Pater aus dem Kloster, den die tote Camilla verabscheut hatte, weil die Apotheke dessen Heilkräuter kaufte und nicht ihre; oder der ominöse Dorfpfarrer, der sich heimlich mit Kindern an sonderbaren Computerspielen ergötzte. Und das waren noch längst nicht alle. Das halbe Dorf schien als Täter infrage zu kommen.
„Geigl, Sie eilen den beiden hinterher!“, herrschte Raps seinen Assistenten an. „Ich will wissen, was diese Hanni in der Tasche hat, das sie uns vorhin zeigen wollte.“
„Sehr wohl, Herr Chefinspektor. Ich eile.“ Geigl deutete ein Salutieren an, dann war er auch schon aus der Apotheke draußen. Raps ließ das Knurren des Präriewolfes aus dem Magen nach oben flutschen. „Und Sie alle rühren sich nicht von der Stelle! Verstanden?“
Die Angestellte Amelie und zwei Kunden nickten. Apothekenchefin Lea Salvaner begann, gedankenverloren Pillenschachteln zu ordnen.
Raps schnaubte. Apotheken konnte er seit seiner Kindheit nicht ausstehen. Er hasste Tabletten, Heilsäfte und Hustentees, und außerdem quälte ihn schon seit Stunden dieser eine Gedanke, er hätte etwas übersehen. Etwas sehr Wichtiges noch dazu. Was war das nur gewesen? Er fasste sich kurz an den murrenden Bauch, dann stürmte auch er hinaus.
Die beiden Schwestern waren nicht weit gekommen. Nahe am Dorfbrunnen hatte Geigl sie gestellt. Raps näherte sich mit schnellen Schritten. Hanni umklammerte ihre Tasche, doch der Kriminalassistent war hartnäckig und entriss der Frau die Tasche. Er langte hinein. Raps stoppte. Was Geigl da hervorgezogen hatte, ließ ihn abrupt abbremsen. Das schien eine Art Puppe zu sein. Mit großem Holzkopf und Schlabberbeinen. Raps spürte, wie ihm plötzlich schwindlig wurde. Seine Hand tastete nach der Mauer des Dorfbrunnens. Er hielt sich daran fest. Mein Gott, DAS war es! Ihm wurde heiß. Der Präriewolf knurrte nicht mehr – jetzt jaulte er auf. Wild. Freudig erregt. Mit einem Schlag war dem Chefinspektor klar geworden, was ihn seit Stunden beschäftigt hatte. Etwas hatte ihn irritiert, aber ihm war nicht bewusst gewesen, was das war. Doch jetzt kannte er die Lösung.
Jetzt wusste er, wer Camilla Kuffer ermordet hatte.

Wie es weitergeht, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der APOVITAL.
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Portrait von Manfred BaumannManfred Baumann, geboren 1956, lebt als freier Autor, Kabarettist, Regisseur und Moderator in Puch bei Hallein.
Er schreibt erfolgreich Salzburg-Krimis rund um den charismatischen Ermittler Kommissar Martin Merana (Gmeiner Verlag).
Sein Roman „Drachenjungfrau“ wurde vom ORF für die Reihe LandKrimi verfilmt und auch im ZDF ausgestrahlt. www.m-baumann.at


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