Unerwünschte Nebenwirkung: Mord (Teil 8)

Fortsetzungsroman Folge 8 – von Manfred Baumann

Was bisher geschah … Mord in der 4700-Seelen-Gemeinde Oberkrautbach. Camilla Kuffer wurde erschlagen. Chefinspektor Theodor Raps und Assistent Anton Geigl, zugleich Neffe der Ermordeten, starteten die Ermittlungen. Sie stießen auf viele Verdächtige. Und immer wieder führten die Spuren zur Dorfapotheke. Eben hatte Geigl das Notizbuch seiner ermordeten Tante mit der rot unterstrichenen Eintragung „Oliver Bresta“ präsentiert …

„Und Ihr Name steht daneben, Frau Salvaner. Was hat das zu bedeuten?“
Noch ehe die Apothekenchefin dem Chefinspektor antworten konnte, begann Frederik Argbauer, Apothekenangestellter und Sohn des Bürgermeisters, zu kreischen: „Oliver Bresta?!“ Sein Zeigefinger zuckte in Richtung der Apothekenchefin. „Warum hat Camilla deinen Namen zusammen mit dem von Bresta notiert?“
Alle Mitarbeiter und Kunden richteten ihre Augen auf Lea Salvaner. „Äh … wie …“, begann die Frau zu stammeln. „Wie soll ich dir das erklären, Frederik?“ Sie wand sich sichtlich. „Man muss das von verschiedenen Seiten sehen …“
Frederiks Stimme schwoll an. „Gilt unsere Vereinbarung noch, Lea, oder gilt sie nicht mehr?“
„Ja, einerseits schon … andererseits haben wir ja noch nichts schriftlich.“
„Wuhuuu!“
Ist hier ein Coyote?, fragte sich der Chefinspektor und blickte sich rasch um. Nein, kein Präriewolf. Das Geheule kam eindeutig aus dem Mund des Angestellten.
„Du hast es versprochen, Lea! Du gehst in Pension und verkaufst die Apotheke mir und niemand anderem. So war es ausgemacht – und jetzt das!“ Er drosch gegen einen Ständer mit Beruhigungspillen und Hustensäften, dann preschte er zur Ausgangstür. „Dass du von der Gemeinde das Wacker-Gutshaus zu einem günstigen Preis bekommst, das kannst du dir in die Haare schmieren, Lea! Warte nur, was mein Vater zu diesem Skandal sagen wird!“ Und schon war er draußen.
Für einen Augenblick war es still in der Apotheke „Zur Heiligen Anna“. Dann redeten alle gleichzeitig. Chefinspektor Raps versuchte, sich einen Überblick zu verschaffen. Dieser Oliver Bresta war offenbar ein Großhändler, wie er mitbekam. Immer mehr Pharmagroßhändler setzten dazu an, Apotheken selbst zu kaufen.
„Warum macht ein Großhändler das eigentlich?“, knurrte Raps.
„Na, wegen der Kontrolle!“, antwortete ein weißhaariger Kunde grinsend. Wie sich herausstellte, war er ein pensionierter Wirtschaftsprüfer. „Der Großhändler kauft die Apotheke, dann sucht er sich einen kaufwilligen Neuapotheker. Er macht ihm einen guten Preis, behält aber selbst einen entsprechenden Anteil an der Apotheke für sich.“
„Warum?“
„Damit er mitbestimmen kann, wo die Apotheke künftig Medikamente einkauft.“
Im Schädel des Chefinspektors begann es zu dämmern. „Verstehe. Natürlich wird die Apotheke ihre Waren nur bei ihm beziehen, nicht bei der Konkurrenz.“
Der Weißhaarige klopfte Raps auf die Schulter. „Sehr richtig. Egal, zu welch hohem Preis der Großhändler selbst die Apotheke erworben hat – das Geschäft zahlt sich in jedem Fall für ihn aus.“
Der Chefinspektor wandte sich an die Geschäftsinhaberin. „Haben Sie Ihren Angestellten Frederik Argbauer ausgebootet, Frau Salvaner?“
Die Apothekenbesitzerin zuckte nur hilflos mit den Schultern.
„Ich deute das als Ja“, fauchte Raps. Dann riss er Geigl das Notizbuch aus der Hand, hielt es Lea Salvaner vors Gesicht. „Offenbar hat Camilla Kuffer das herausbekommen. Hat sie gedroht, Ihr mieses Vorgehen auffliegen zu lassen? Haben Sie deshalb nach der Schaufel gegriffen und Camilla Kuffer erschlagen?“
Die Apothekenchefin wollte antworten, doch da flog die Tür auf und zwei Frauen stürmten herein. „Wir haben eben den Frederik getroffen“, begann die eine, und die andere fuhr fort: „Bleich wie ein Gespenst. Was ist denn passiert?“
„Langsam, meine Damen“, bremste Kriminalassistent Geigl die Schwestern Emmi und Hanni Platzmaier ein. „Vielleicht rinnt auch Ihnen bald die Farbe aus dem Gesicht.“
„Warum?“, antworteten beide wie aus einem Mund und starrten ihn mit großen Augen an.
„Ich sage nur drei Worte, meine Damen: Frauenclub, Abrechnung, Osterbazar.“
Tatsächlich wurden die Schwestern bleich wie eine frisch getünchte Wand.

Wie es weitergeht, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der APOVITAL.
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Portrait von Manfred BaumannManfred Baumann, geboren 1956, lebt als freier Autor, Kabarettist, Regisseur und Moderator in Puch bei Hallein.
Er schreibt erfolgreich Salzburg-Krimis rund um den charismatischen Ermittler Kommissar Martin Merana (Gmeiner Verlag).
Sein Roman „Drachenjungfrau“ wurde vom ORF für die Reihe LandKrimi verfilmt und auch im ZDF ausgestrahlt. www.m-baumann.at


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