Unerwünschte Nebenwirkung: Mord (Teil 2)

Fortsetzungsroman Folge 2 – von Manfred Baumann

Was bisher geschah … Große Aufregung in der beschaulichen „Apotheke zur Heiligen Anna“ in der 4700-Seelen-Gemeinde Oberkrautbach. Camilla Kuffer, eine Ortsbewohnerin, beschwerte sich heftig bei der Apothekenchefin. Diese akzeptiere offenbar Kräuter aus dem Kloster. Aber die Kamille aus Kuffers Garten habe die Apotheke bisher stets abgelehnt. Die aufgebrachte Frau beschimpfte auch die anwesenden Kunden. Wenige Stunden später war Camilla Kuffer tot. Erschlagen in ihrem Garten.

Theodor Raps war sauer. Stinksauer! In knapp acht Stunden wäre er im Flieger gesessen. Der A320 hätte ihn schnurstracks nach Palma de Mallorca gebracht und sieben Tage wohlverdienter Inselurlaub wären vor ihm gelegen. Und was war jetzt? Jetzt hatte er einen Mord am Hals! In einem Kaff, das er kaum kannte.
„Die Grippewelle greift um sich, ich habe keine Leute mehr“, hatte der Polizeichef geknurrt. „Tut mir leid, Raps. Urlaubssperre für alle. Sie übernehmen. Der Geigl ist schon am Tatort.“
Oberkrautbach! Jetzt hätte er auch noch fast die verdammte Abzweigung übersehen! Urlaubssperre, ha!
„Warum passiert das immer mir?“, brüllte er und drosch mit der Hand aufs Lenkrad. Aber da er allein im Dienstauto saß, gab es keinen, der die Frage beantworten konnte. Zehn Minuten später war er da. Das Häuschen lag am Dorfrand.
„Guten Tag, Herr Chefinspektor“, begrüßte ihn ein uniformierter Beamter. „Inspektor Geigl ist im Garten.“
Der junge Mann erwartet ihn. Er zog die dunkle Plane zurück, die man über die Leiche gebreitet hatte.
„Gerichtsmedizin und Spurensicherung?“
„Sind schon fertig.“
„Also dann, Geigl: Kurzfassung.“
„Sehr wohl, Herr Chefinspektor.“
Die Tote hieß Camilla Kuffer, erfuhr Raps. 59 Jahre, seit drei Jahren in Frühpension. Die Spurensicherung hatte eine Gartenschaufel sichergestellt. „Vermutlich die Tatwaffe.“
„Wer hat die Tote gefunden?“
„Eine Frau aus dem Ort. Emmi Platzmaier. Sie wartet im Haus.“
Etwas an der Stimme irritierte ihn. „Alles in Ordnung bei Ihnen, Geigl?“
Der junge Mann atmete schwer. „Ich bitte Sie inständig, Herr Chefinspektor: Ziehen Sie mich nicht ab. Lassen Sie mich an der Untersuchung teilhaben.“
Der Chefinspektor war verwundert. „Wie kommen Sie darauf, dass ich Sie von diesem Fall abziehen könnte?“
„Weil …“ – der junge Mann kämpfte mit der Fassung – „… weil die Tote meine Tante ist.“
„Ihre Tante?“ Jetzt blickte der Chefinspektor verwirrt.
„Ja. Und ich will unbedingt mithelfen, herauszufinden, wer ihr das angetan hat.“ Geigls Körper straffte sich. „Der Herr Polizeidirektor weiß Bescheid. Er hat mir die Mitwirkung erlaubt.“
Ja, der!, fauchte Raps innerlich. Urlaubssperre! Der nimmt ohnehin jeden.
„Lassen wir es vorerst einmal dabei.“
„Danke.“
Sie betraten das Haus. In der kleinen Küche warteten zwei Frauen: eine uniformierte Beamtin und die Zeugin. „Ich kann Ihnen nur sagen, es war furchtbar!“
Die schrille Stimme passte zur zerzausten Frisur, fand Raps.
Sie sei um halb acht gekommen, erzählte Emmi Platzmaier, habe an der Tür geläutet. Dann habe sie hinter das Haus geschaut, ob Camilla vielleicht im Garten war. „Und da war sie. Aber tot!“
Ehe sie so richtig losheulen konnte, fragte Raps schnell: „Was war der Grund für Ihren Besuch?“
„Das bevorstehende Sommerfest natürlich!
Camilla ist Vizeobfrau der Frauenrunde, ich bin die Schriftführerin. Es gibt noch viel vorzubereiten!“
„Wann haben Sie Frau Kuffer zuletzt gesehen … ich meine, lebend?“
„Na gestern, in der Apotheke. Sie ist hereingestürmt, hat die Apothekenchefin angeschnauzt und auch alle anderen beleidigt.“
Und jetzt liegt sie tot in ihrem Garten, resümierte Raps. Er schnaufte tief durch. In den Süden wollte er fliegen. Sonne, Meer, Urlaub. Und wo musste er jetzt hin? In eine Apotheke! Er hasste das. Ihm wurde schon schlecht, wenn er Tabletten nur von Weitem sah. „Kommen Sie, Geigl!“, schnauzte er. „Wir fahren hin.“

Wie es weitergeht, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der APOVITAL. Ab 15. März in Ihrer Apothek oder online. 


Portrait von Manfred BaumannManfred Baumann, geboren 1956, lebt als freier Autor, Kabarettist, Regisseur und Moderator in Puch bei Hallein.
Er schreibt erfolgreich Salzburg-Krimis rund um den charismatischen Ermittler Kommissar Martin Merana (Gmeiner Verlag).
Sein Roman „Drachenjungfrau“ wurde vom ORF für die Reihe LandKrimi verfilmt und auch im ZDF ausgestrahlt. www.m-baumann.at


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