Medizinnobelpreis: Frederick Banting und die Entdeckung des Insulins

Folge 7: Frederick Banting und die Entdeckung des Insulins

Als Sir Frederick Grant Banting im Jahr 1891 in Alli­ston, Kanada, geboren wurde, war die Medizin noch weit davon entfernt, Diabetes mellitus wirksam zu behandeln. Die Krankheit galt in schweren Formen als unaufhaltsam fortschreitende und letztlich tödliche Erkrankung. Trotz erster Erkenntnisse über die Bauchspeicheldrüse fehlte noch ein entscheidender Baustein zum Verständnis der Blutzuckerregulation. Dann kam ein kanadischer Wissenschaftler…

Es war um das Jahr 1920, als der junge Arzt Banting über die Funktion der Bauchspeicheldrüse nachdachte. Er vermutete, dass dort ein bisher unbekannter Stoff gebildet wird, der den Blutzucker kontrolliert. Um diese Hypothese zu überprüfen, erhielt er an der University of Toronto Zugang zu einem von John James Rickard Macleod geleiteten Labor. In der praktischen Forschung wurde er von Charles Herbert Best unterstützt. In intensiven Experimenten mit tierischen Modellen (Hunde und Kälber) gelang es ihnen, aus Bauchspeicheldrüsengewebe einen Wirkstoff zu gewinnen, der den Blutzuckerspiegel deutlich senken konnte. Dieser Wirkstoff erhielt schließlich den Namen „Insulin“.

Die Bedeutung von Insulin für die Medizin

Die Entdeckung von Insulin markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Medizin. Vor seiner Einführung bedeutete die Diagnose Diabetes, insbesondere Typ-1-Diabetes, für viele Betroffene einen sicheren und meist schnellen Tod. Wenn Insulin fehlt oder nicht richtig wirkt, kann Zucker nicht ausreichend in die Körperzellen aufgenommen werden, wodurch er im Blut verbleibt. Die Folgen sind unter anderem Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und schwerwiegende Organschäden. Die therapeutischen Möglichkeiten beschränkten sich zu jener Zeit auf strenge Diäten, die den Krankheitsverlauf nur geringfügig zu verlangsamen vermochten. Insulin veränderte diese Situation grundlegend, denn zum ersten Mal stand ein Hormon zur Verfügung, das den Blutzuckerspiegel gezielt regulieren konnte. Dadurch wurde aus einer tödlichen Erkrankung eine behandelbare chronische Krankheit. Mithilfe der regelmäßigen Gabe von Insulin konnte dieser Mechanismus erstmals kontrolliert werden.

Nobelpreis und Vermächtnis

Ein entscheidender Moment war die erste erfolgreiche Behandlung eines schwerkranken Patienten im Jahr 1922: Der zuvor stark abgemagerte und dem Tod nahe Patient zeigte nach der Gabe von Insulin eine deut­liche Verbesserung seines Zustands. Dieser Erfolg verbreitete sich schnell in der medizinischen Fachwelt und führte zur raschen Weiterentwicklung der Insulinproduktion und -anwendung. Für seine Entdeckung erhielt Sir Frederick Grant Banting 1923 gemeinsam mit John James Rickard Macleod den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Entdeckung gilt bis heute als eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin, da sie weltweit Millionen von Menschen das Leben rettet und die Grundlage der modernen Diabetesbehandlung bildet. Banting blieb auch nach seiner Entdeckung wissenschaftlich aktiv, unter anderem in der medizinischen Forschung außerhalb der Endokrinologie. Er starb 1941 bei einem Flugzeugabsturz.

 

 

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