Starke Nerven in turbulenten Zeiten
Aktuell rauben uns Sorgen um den Arbeitsplatz, Ängste um die (soziale) Sicherheit sowie Befürchtungen hinsichtlich eines schlechten Gesundheitswesens den letzten Nerv. Doch was sind Nerven eigentlich? Was bringt sie aus der Bahn? Kann man sie wie Muskeln trainieren? Diese und viele weitere Fragen klären wir in unserer Titelgeschichte. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!
Um etwas zur Ruhe zu kommen, versetzen Sie sich bitte für einen Moment zurück in das 19. Jahrhundert: keine Computer, keine Mails, die Stress verursachen, und schon gar kein Smartphone, das ständig unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sicherlich ging es im Leben damals etwas beschaulicher und nervenschonender zu, allerdings gab es natürlich auch Schattenseiten. Die Medizin hatte bereits einige Fortschritte gemacht, steckte im Vergleich zu heute aber noch in den Kinderschuhen – auch im Hinblick auf das Nervensystem. Zwar war längst bekannt, dass der menschliche Körper von Kopf bis Fuß mit Nerven durchzogen ist, doch ihre Funktion blieb lange Zeit ein Rätsel. Bis ins 18. Jahrhundert hielten viele Mediziner Nerven für Kanäle, die die Lebensgeister (Pneuma) transportieren. Die elektrische Übertragung von Signalen durch Nervenzellen wurde erst im 19. Jahrhundert erforscht. Heutzutage ist unser Wissen über Nerven nahezu grenzenlos, sodass sich die einleitenden Fragen problemlos beantworten lassen.
Was sind Nerven?
Nerven sind spezialisierte Zellen, die Signale in Form von elektrischen Impulsen durch den Körper leiten. Sie sind ein Netzwerk aus winzigen Leitungen, die Informationen blitzschnell zwischen Gehirn, Rückenmark und anderen Körperteilen übertragen. Ob wir Angst haben, besorgt sind oder uns freuen, wird somit über elektrische Impulse vermittelt, die durch das Nervensystem geschickt werden. Ein Beispiel: Wir sehen auf unserem Kontoauszug, dass wir im Minus sind, was uns in roten Ziffern mitgeteilt wird. Daraufhin leitet der Sehsinn die Informationen an das Gehirn weiter. Folglich Ärger wir uns über die Kontostand oder zeigen gar eine Angstreaktion, da wir in Sorge geraten, die kommenden Rechnungen zu bezahlen. Diese Reaktion verläuft durch unsere Nervenstränge.
Was machen Angst und Sorgen mit unseren Nerven?
Egal, ob es sich um finanzielle Sorgen, um die Angst vor dem Verlust des Jobs oder um gesundheitliche Probleme handelt – der Mechanismus ist oft derselbe. Bei jeder Art von Belastung registriert das Gehirn eine Bedrohung. Dies aktiviert das sympathische Nervensystem, das den Körper in einen Alarmzustand versetzt, der wiederum die Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol auslöst. Mögliche Symptome sind eine erhöhte Herzfrequenz, schnelles Atmen und Muskelverspannungen. Langfristig kann dieser Zustand die Nerven belasten und zu nervlicher Erschöpfung oder körperlichen Beschwerden führen. Hält der Stress über längere Zeit an, kann er das Nervensystem weiter belasten und zu chronischen Gesundheitsproblemen wie Schlafstörungen, Ängsten, Müdigkeit und einer allgemein reduzierten emotionalen Belastbarkeit führen. Ist der Ärger oder die Angst groß, kommt es oftmals ebenso zu körperlichen Reaktionen wie Rötungen, Schweißausbrüchen oder einer „Gänsehaut“. Auch das Versagen der Stimme kann durch das Nervensystem bedingt sein.
Wie die Nerven zur Ruhe kommen
Zuallererst ist die Nervenstärke zu einem gewissen Teil genetisch bedingt. Einige Menschen sind von Geburt an tatsächlich stressresistenter als andere. Dabei spielen unter anderem Hormone und neurologische Unterschiede eine Rolle. Auch die ersten Lebensjahre sind für die zukünftige Stressresistenz sehr wichtig, denn in dieser Zeit können sich viele Ängste und Phobien entwickeln, die im Laufe des Lebens Spuren hinterlassen. Es ist allerdings durchaus möglich, die Stressresistenz zu verbessern und zu lernen, mit schlechten Nachrichten, Ängsten oder Sorgen besser umzugehen. Wenn wir unsere Nerven beruhigen, werden nämlich Prozesse im Körper ausgelöst, die Stress abbauen und die Entspannung fördern. Sind die Nerven wieder beruhigt, steigt das Wohlbefinden und Sie können trotz turbulenter Zeiten den Alltag genießen. Wie das gelingt, erfahren Sie in unseren abschließenden sechs Tipps für gelassene und entspannte Nerven.

Bergamottöl beruhigt die Nerven
Bergamottöl hat eine beruhigende Wirkung und senkt das Stresshormon Cortisol, wodurch Nervosität und Anspannung reduziert werden. Einige Tropfen im Diffuser oder in einer Duftlampe helfen, den Geist zu beruhigen. Auch als Badezusatz oder Massageöl entspannt es den Körper und löst Verspannungen. In akuten Stresssituationen kann das Einatmen von Bergamottöl über ein Taschentuch oder die Hände rasch für Linderung sorgen.
Positive Gedanken und Entspannungstechniken
Techniken wie Meditation, Achtsamkeit und autogenes Training helfen, Körper und Geist zu entspannen. Achtsamkeit fördert die Konzentration auf den Moment und löst innere Spannungen. Autogenes Training unterstützt ebenfalls die Entspannung von Körper und Geist. Positive Gedanken sowie bewusste Stressbewältigung stärken die Nerven und machen sie widerstandsfähiger gegenüber äußeren Belastungen.
Homöopathische Unterstützung
Homöopathische Mittel wie Scutellaria lateriflora (Helmkraut) helfen bei Angstzuständen, Schlafstörungen, gereizten Nerven und innerer Unruhe. Cypripedium calceolus var. pubescens (Frauenschuh) wird zur Linderung von nervösen Erschöpfungszuständen eingesetzt. Aurum metallicum (Gold) wird in der Homöopathie hingegen häufig eingesetzt, um den Seelenzustand ganzheitlich zu stabilisieren. Diese Inhaltsstoffe sind als Kombination in Arzneimittelspezialitäten in Ihrer Apotheke erhältlich. Dort erhalten Sie auch eine Beratung zur idealen Dosis, die genau auf Sie abgestimmt ist!
Tiefes Atmen
Bewusstes tiefes Atmen aktiviert den Parasympathikus und sorgt für Entspannung. Eine hilfreiche Übung ist die 4-7-8-Technik: Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden die Luft anhalten und acht Sekunden ausatmen. Diese Technik senkt den Stresslevel und beruhigt die Nerven innerhalb von wenigen Minuten.

Ausreichend Schlaf
Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Nervensystems. 7 bis 8 Stunden Schlaf pro Nacht fördern die innere Ruhe und verhindern Reizbarkeit. Das Vermeiden von Bildschirmen sowie entspannende Rituale vor dem Einschlafen, wie etwa das Hören beruhigender Musik, können die Schlafqualität verbessern und zu ruhigeren Nerven führen.
Bewegung und Sport
Bewegung hilft, Stress abzubauen und die Nerven zu beruhigen. Durch Sport werden Endorphine freigesetzt, die das Wohlbefinden steigern und den Körper entspannen. Ob Spaziergänge, Yoga oder Radfahren – regelmäßige Bewegung hilft, Stresshormone abzubauen und den Körper zu entspannen.
